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1. Die schnelle Entwicklung der Technologie im Bereich der Medien
ist sicher eines der Zeichen des Fortschritts in der heutigen
Gesellschaft. Wenn man diese Neuerungen, die in beständiger
Entwicklung sind, betrachtet, erscheint das Dekret Inter mirifica
des II. Vatikanischen Konzils, das von meinem verehrten Vorgänger,
dem Diener Gottes Paul VI. am 4. Dezember 1963 veröffentlicht
wurde, von noch größerer Aktualität: „Unter
den erstaunlichen Erfindungen der Technik, welche die menschliche
Geisteskraft gerade in unserer Zeit mit Gottes Hilfe aus der Schöpfung
entwickelt hat, richtet sich die besondere Aufmerksamkeit der
Kirche auf jene, die sich unmittelbar an den Menschen selbst wenden
und neue Wege erschlossen haben, um Nachrichten jeder Art, Gedanken
und Weisungen leicht mitzuteilen.“[1]
I. Ein fruchtbarer Weg auf dem Weg des Dekrets Inter mirifica
2. Nach über vierzig Jahren seit der Veröffentlichung
dieses Dokumentes erscheint es mehr als angebracht, erneut über
die Herausforderungen nachzudenken, die die sozialen Kommunikationsmittel
für die Kirche mit sich bringen, die, wie Paul VI. schrieb,
„vor ihrem Herrn schuldig würde, wenn sie diese machtvollen
Mittel nicht nützte“[2]. Die Kirche ist nämlich
nicht nur dazu berufen, die Medien zur Verbreitung des Evangeliums
zu nutzen, sondern die heilbringende Botschaft heute mehr denn
je in die ‚neue Kultur‘ zu integrieren, die die machtvollen
Instrumente der Kommunikation schaffen und verbreiten. Sie ist
sich bewusst, dass die Nutzung der Techniken und Technologien
der Kommunikation unserer Zeit fester Bestandteil ihrer Sendung
im dritten Jahrtausend ist.
Davon angespornt, unternahm die christliche Gemeinschaft bedeutende
Schritte und nutzt die Kommunikationsmittel zur Verbreitung religiöser
Information, zur Evangelisierung und Katechese, zur Bildung der
pastoralen Mitarbeiter in diesem Bereich und zur Erziehung der
Nutzer und Empfänger der verschiedenen Kommunikationsmittel
zu einer reifen Verantwortung.
3. Die Herausforderungen für die Neuevangelisierung in einer
an Kommunikationsmöglichkeiten reichen Welt wie der unseren
sind vielfältig. In dieser Hinsicht habe ich in der Enzyklika
Redemptoris missio unterstrichen, dass der erste Areopag der modernen
Zeit die Welt der Kommunikation ist, die die Menschheit zusammenführen
kann und sie – wie man zu sagen pflegt – zu einem
„globalen Dorf“ werden lässt. Die sozialen Kommunikationsmittel
haben eine solche Wichtigkeit erreicht, dass sie für viele
zum Hauptinstrument der Orientierung und Gestaltung des individuellen,
familiären und sozialen Verhaltens geworden sind. Es handelt
sich um ein komplexes Problem, denn diese Kultur entsteht in erster
Linie nicht aus den Inhalten, sondern allein schon aus der Tatsache,
dass es neue Weisen gibt, in bisher nicht gekannten Sprachen und
Techniken zu kommunizieren.
Unsere Zeit ist eine Zeit der globalen Kommunikation, in der
viele Phasen der menschlichen Existenz über mediale Prozesse
ablaufen, oder sich zumindest damit befassen müssen. Ich
denke nur an die Persönlichkeits- und Gewissensbildung, an
die Interpretation und Strukturierung der affektiven Beziehungen,
den Verlauf der einzelnen Erziehungs- und der Bildungsphasen,
die Schaffung und Verbreitung kultureller Phänomene, die
Entfaltung des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen
Lebens.
In einer organischen und korrekten Sicht des menschlichen Fortschritts
können und müssen die Medien die Gerechtigkeit und Solidarität
fördern, indem sie Ereignisse exakt und wahrheitsgetreu wiedergeben,
Probleme und Situationen umfassend analysieren und unterschiedliche
Meinungen zu Wort kommen lassen. Die obersten Kriterien der Wahrheit
und der Gerechtigkeit bilden in der reifen Ausübung der Freiheit
und Verantwortung den Rahmen für eine authentische Ordnung
von Pflichten im Umgang mit den modernen, machtvollen sozialen
Kommunikationsmittel.
II. Unterscheidung nach dem Evangelium und missionarischer Einsatz
4. Auch die Welt der Medien bedarf der Erlösung durch Christus.
Eine vertiefte Betrachtung der Heiligen Schrift kann zweifelsohne
helfen, die Vorgänge und den Wert der sozialen Kommunikationsmittel
mit den Augen des Glaubens zu sehen, denn sie erweist sich als
ein „großer Kodex“ der Kommunikation einer Botschaft,
die aufgrund ihrer erlösenden Bedeutung nicht vergänglich
und beiläufig, sondern fundamental ist.
Die Heilsgeschichte erzählt und dokumentiert, wie sich Gott
dem Menschen mitgeteilt hat, und wie diese Mitteilung alle Formen
und Variationen des Kommunizierens nutzt. Der Mensch ist nach
Gottes Bild und ihm ähnlich geschaffen, um die göttliche
Offenbarung aufzunehmen und in einen Dialog der Liebe mit ihm
zu treten. Aufgrund der Sünde wurde diese Fähigkeit
zum Dialog sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher
Ebene beeinträchtigt, und für die Menschen begann die
bittere Erfahrung des Unverständnisses und der Ferne. Doch
Gott hat sie nicht verlassen, sondern hat seinen eigenen Sohn
gesandt (cfr. Mk 12,1-11). Im fleischgewordenen Wort erreicht
die Mitteilung ihre höchste heilbringende Kraft: Damit wird
der Mensch im Heiligen Geist fähig, die Erlösung zu
empfangen und sie seinen Brüdern und Schwestern zu verkünden
und zu bezeugen.
5. Die Kommunikation zwischen Gott und dem Menschen erreichte
ihren Höhepunkt im fleischgewordenen Wort. Das Handeln aus
Liebe, durch das Gott sich offenbart, schafft gemeinsam mit der
Glaubensantwort der Menschen einen fruchtbaren Dialog. Gerade
deshalb können wir uns gewissermaßen die Worte der
Jünger: „Lehre uns beten“ (Lk 11,1) zu eigen
machen und den Herrn bitten, uns zu zeigen, wie wir durch die
erstaunlichen Instrumente der sozialen Kommunikation mit ihm und
mit den Menschen kommunizieren können. Vor dem Hintergrund
dieser letzten und entscheidenden Kommunikation stellen die Medien
eine Gelegenheit der Vorsehung dar, um die Menschen aller Breitengrade
zu erreichen, die Barrieren von Zeit, Raum und Sprache zu überwinden,
die Glaubensinhalte auf verschiedenste Weise zu formulieren, und
jedem Suchenden sicheren Halt zu bieten, der ihm ermöglicht,
in den Dialog mit dem Mysterium Gottes einzutreten, das sich in
Christus in Fülle geoffenbart hat.
Das fleischgewordene Wort hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir
mit dem Vater und unseren Mitmenschen kommunizieren sollen, sei
es in Augenblicken der Stille und der Einkehr, sei es in der Verkündigung
an allen Orten und in allen Sprachformen. Er erklärt die
Schrift, drückt sich in Gleichnissen aus, redet im häuslichen
Kreis, spricht auf den Plätzen, entlang der Straßen,
am Ufer des Sees, auf den Höhen der Berge. Die persönliche
Begegnung mit ihm lässt einen nicht gleichgültig, sondern
lädt ein, ihn nachzuahmen: „Was ich euch im Dunkeln
sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert,
das verkündet von den Dächern“ (Mt 10,27).
Es gibt einen Höhepunkt, wo das Kommunizieren zur vollen
Gemeinschaft wird: Die Begegnung in der Eucharistie. Christus
„beim Brechen des Brotes“ (vgl. Lk 24,30-31) zu erkennen,
spornt die Gläubigen an, seinen Tod und seine Auferstehung
zu verkünden, und macht sie zu mutigen und freudigen Zeugen
seines Reiches (vgl. Lk 24,35).
6. Die Erlösung hat die Kommunikationsfähigkeit der
Gläubigen geheilt und erneuert. Die Begegnung mit Christus
macht sie zu neuen Geschöpfen und lässt sie Teil des
Volkes werden, das er sich am Kreuz mit seinem Blut erworben hat.
Er nimmt sie mit hinein in das innere Leben der Dreifaltigkeit,
das beständige und wechselseitige Mitteilung der vollkommenen
und unendlichen Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist
ist.
Die Kommunikation prägt die grundlegenden Bereiche der Kirche,
die gerufen ist, allen die frohe Botschaft der Erlösung zu
verkünden. Deshalb nutzt sie die von den Massenmedien gebotenen
Möglichkeiten. In ihnen sieht sie Wege, die Gottes Vorsehung
unserer Zeit geschenkt hat, um die Gemeinschaft zu stärken
und eine wirksamere Verkündigung zu erreichen [3]. Die Medien
können den universellen Charakter des Volkes Gottes sichtbar
machen, einen regeren und unmittelbareren Austausch unter den
Ortskirchen fördern und das gegenseitige Verständnis
und die Zusammenarbeit nähren.
Danken wir Gott für diese machtvollen Mittel. Wenn sie von
den Christen mit dem Geist des Glaubens und gemäß der
Eingebungen des Heiligen Geistes genutzt werden, können sie
zu einer weiteren Verbreitung des Evangeliums beitragen und die
Bande zwischen den kirchlichen Gemeinschaften stärken.
III. Ein Wandel der Denkweise und eine pastorale Erneuerung
7. In den Kommunikationsmitteln findet die Kirche eine wertvolle
Hilfe für die Verbreitung des Evangeliums und der religiösen
Werte, für die Förderung des Dialogs und der ökumenischen
und interreligiösen Zusammenarbeit sowie für die Verteidigung
jener dauerhaften Prinzipien, die unbedingt nötig sind, um
eine Gesellschaft aufzubauen, die die Würde der menschlichen
Person achtet und auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist. Gerne bedient
sie sich dieser Mittel, um Informationen über sich selbst
zur Verfügung zu stellen und die Evangelisierung, die Katechese
und die Bildung voranzutreiben und betrachtet diese Anwendung
als eine Antwort auf das Gebot des Herrn: „Geht hinaus in
die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“
(Mk 16,15).
Diese Aufgabe ist sicher nicht leicht in unseren Tagen, in denen
sich die Überzeugung breit macht, die Zeit der Gewissheiten
sei hoffnungslos vorbei; nunmehr müsse der Mensch lernen,
vor einem Horizont völliger Sinnferne im Zeichen des Vorläufigen
und Vergänglichen zu leben [4]. In diesem Zusammenhang können
die Kommunikationsmittel dazu verwendet werden, „das Evangelium
zu verkünden, oder es in den Herzen der Menschen zum Schweigen
zu bringen“ [5]. Dies stellt eine große Herausforderung
für die Gläubigen dar, vor allem für die Eltern,
die Familien und für alle, die verantwortlich sind für
die Kinder- und Jugenderziehung. Mit Klugheit und pastoraler Umsicht
sollen all jene Mitglieder der Gemeinschaft der Kirche ermutigt
werden, die für die Arbeit in der Medienwelt besonders begabt
sind, damit sie Fachleute werden, die in der Lage sind, mit der
weiten Welt der Massenmedien zu kommunizieren.
8. Aber nicht nur die hauptberuflich in den Medien Tätigen
sollen diese wertschätzen, sondern die ganze kirchliche Gemeinschaft.
Wenn die sozialen Kommunikationsmittel, wie bereits dargelegt,
verschiedene Bereiche des Glaubenslebens betreffen, dann müssen
die Christen der Medienkultur, in der wir leben, Rechnung tragen:
von der Liturgie, höchster und grundlegender Ausdruck der
Kommunikation mit Gott und den Schwestern und Brüdern, bis
zur Katechese, die nicht die Tatsache außer Acht lassen
kann, dass sie sich an Personen richtet, die unter dem Einfluss
der zeitgenössischen Ausdrucksweise und Kultur stehen.
Das aktuelle Phänomen der sozialen Kommunikationsmittel
spornt die Kirche zu einer Art pastoraler und kultureller Erneuerung
an, um so in der Lage zu sein, den Zeitenwandel, in dem wir leben,
in entsprechender Weise bewältigen zu können. Darauf
müssen vor allem die Hirten achten: Es ist in der Tat wichtig,
sich um eine einprägsame Präsentation zu kümmern,
die dem Hören und der Aufnahme der Verkündigung förderlich
ist [6]. Besondere Verantwortung kommt in diesem Feld den gottgeweihten
Personen zu, die durch ihr eigenes Charisma auf das Engagement
im Bereich der sozialen Kommunikation ausgerichtet sind. Geistlich
und beruflich ausgebildet, sollen sie „je nach den pastoralen
Zweckmäßigkeiten ihren Dienst […] leisten, um
einerseits die vom Missbrauch der Medien hervorgerufenen Schäden
abzuwenden und andererseits eine höhere Qualität der
Sendungen mit Botschaften zu fördern, die das Moralgesetz
achten und an menschlichen und christlichen Werten reich sind“
[7].
9. Gerade in Anbetracht der Bedeutung der Medien habe ich es
bereits vor fünfzehn Jahren als unangebracht erachtet, sie
der Initiative Einzelner oder kleiner Gruppen zu überlassen,
und habe vorgeschlagen, sie mit Deutlichkeit in die Pastoralpläne
mit einzubeziehen [8]. Besonders die neuen Technologien schaffen
neuartige Möglichkeiten für eine Kommunikation als Dienst
am Hirtenamt und an der Gestaltung der vielfältigen Aufgaben
der christlichen Gemeinschaft. Man denke zum Beispiel daran, wie
das Internet nicht nur Ressourcen für eine bessere Information
bietet, sondern die Menschen auch an eine interaktive Kommunikation
gewöhnt [9]. Viele Christen benutzen bereits auf kreative
Weise dieses neue Werkzeug und ergründen seine Möglichkeiten
für die Evangelisierung, die Erziehung, die interne Kommunikation,
die Verwaltung und die Leitung. Aber neben dem Internet werden
auch andere neue Medien benutzt und alle Bewertungen der traditionellen
Werkzeuge überprüft. Dennoch sind katholische Zeitungen,
Veröffentlichungen verschiedener Natur, Fernsehen und Rundfunk
weiterhin von großem Nutzen in einem vollständigen
Panorama der kirchlichen Kommunikation.
Während die Inhalte natürlich an die Bedürfnisse
der verschiedenen Gruppen angepasst werden, muss ihr Ziel immer
sein, den Personen die ethische und sittliche Dimension der Information
bewusst zu machen [10]. Ebenso ist es wichtig, die in der Kommunikation
Tätigen auszubilden und ihnen pastorale Begleitung zu gewährleisten.
Oft sind diese Frauen und Männer besonderem Druck und ethischen
Fragen ausgesetzt, die aus ihrer täglichen Arbeit hervorgehen;
viele von ihnen „wünschen aufrichtig zu wissen und
zu tun, was im ethischen und sittlichen Bereich recht ist“,
und erwarten von der Kirche Orientierung und Unterstützung
[11].
IV. Die Medien, Brennpunkt der großen sozialen Fragen
10. Die Kirche, die kraft der ihr vom Herrn anvertrauten Heilsbotschaft
auch Lehrmeisterin der Menschheit ist, ist sich ihrer Pflicht
bewusst, den eigenen Beitrag für ein besseres Verständnis
der Perspektiven und der Verantwortungen zu leisten, die mit den
aktuellen Entwicklungen der sozialen Kommunikationsmittel einhergehen.
Eben weil sie das Gewissen der einzelnen beeinflussen, ihre Mentalität
bilden und ihre Sichtweise bestimmen, ist es eindeutig zu bekräftigen,
dass die sozialen Kommunikationsmittel ein zu schützendes
und zu förderndes Gut darstellen. Es ist notwendig, dass
auch die sozialen Kommunikationsmittel in einen organisch strukturierten
Rahmen von Pflichten und Rechten eingegliedert werden, sei es
hinsichtlich der Bildung und der ethischen Verantwortung, sei
es hinsichtlich des Bezugs zu den Gesetzen und den institutionellen
Kompetenzen.
Die positive Entwicklung der Medien im Dienst des Gemeinwohls
ist eine Verantwortung aller und jedes einzelnen [12]. Wegen der
starken Verbindungen der Medien zur Wirtschaft, Politik und Kultur
ist es nötig, ein System zu schaffen, das in der Lage ist,
die Zentralität und die Würde der Person, den Vorrang
der Familie als der grundlegenden Zelle der Gesellschaft, und
die richtige Beziehung zwischen den einzelnen Subjekten zu wahren.
11. Es müssen einige Entscheidungen getroffen werden, die
sich in drei Grundoptionen zusammenfassen lassen: Bildung, Beteiligung,
Dialog.
An erster Stelle steht eine breit angelegte Bildungstätigkeit,
damit die Medien bekannt sowie bewusst und angemessen genutzt
werden. Die von ihnen eingeführten neuen Sprachformen verändern
die Lernvorgänge und die Qualität der zwischenmenschlichen
Beziehungen. Deshalb läuft man ohne eine angemessene Bildung
Gefahr, dass sie die Personen, statt ihnen zu dienen, instrumentalisieren
und beeinträchtigen. Das gilt in besonderer Weise für
die Jugendlichen, die den technologischen Neuerungen auf natürliche
Weise zugetan sind und deswegen auch noch mehr der Anleitung zu
einem verantwortlichen und kritischen Gebrauch der Medien bedürfen.
Zweitens möchte ich erneut den Zugang zu den Medien und
die mitverantwortliche Beteiligung an ihrer Leitung in Erinnerung
rufen. Wenn die sozialen Kommunikationsmittel ein Gut sind, das
für die ganze Menschheit bestimmt ist, so müssen immer
zeitgemäße Formen gefunden werden, um den Pluralismus
zu garantieren und eine breite Teilnahme an ihrer Leitung zu ermöglichen,
auch durch angemessene gesetzliche Regelungen. Die Kultur der
Mitverantwortung muss wachsen.
Schließlich dürfen die großen Möglichkeiten
der Medien nicht vergessen werden, den Dialog zu fördern,
indem sie Träger des gegenseitigen Kennenlernens, der Solidarität
und des Friedens werden. Wenn sie im Dienst der Völkerverständigung
stehen, sind sie eine mächtige positive Ressource; wenn sie
benutzt werden, um Ungerechtigkeit und Konflikte zu nähren,
eine zerstörerische „Waffe“. Auf prophetische
Weise hat bereits mein ehrwürdiger Vorgänger, der selige
Johannes XXIII., in der Enzyklika Pacem in terris die Menschheit
vor diesen möglichen Risiken gewarnt [13].
12. Großes Interesse weckt die Reflektion über die
Rolle „der öffentlichen Meinung in der Kirche“
und „der Kirche in der öffentlichen Meinung“.
In einem Treffen mit den Herausgebern der katholischen Zeitungen
hat mein ehrwürdiger Vorgänger Paul VI. gesagt, dass
in der Kirche etwas fehlte, wenn es die öffentliche Meinung
nicht gäbe. Der gleiche Gedanke wurde bei anderen Gelegenheiten
bekräftigt [14], und der Kodex des Kanonischen Rechts erkennt
unter bestimmten Voraussetzungen das Recht auf Meinungsäußerung
an [15]. Es ist wahr, dass die Glaubenswahrheiten nicht willkürlich
ausgelegt werden können und die Achtung der Rechte der Anderen
der Äußerung eigener Werturteile dieser ihr eigene
innere Grenzen setzt. Nicht weniger wahr ist aber, dass es in
anderen Bereichen unter Katholiken Raum für Meinungsaustausch
gibt, in einem Dialog, der unter Beachtung der Gerechtigkeit und
Klugheit geführt wird.
Sowohl die Kommunikation innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft,
als auch die der Kirche mit der Welt, erfordern Transparenz und
eine neue Weise, die mit der Welt der Medien verbundenen Fragen
anzugehen. Eine solche Kommunikation muss sich um einen konstruktiven
Dialog bemühen, um in der kirchlichen Gemeinschaft eine richtig
informierte und unterscheidungsfähige öffentliche Meinung
heranzubilden. Die Kirche hat, wie auch andere Gruppen und Einrichtungen
das Bedürfnis und das Recht, die eigenen Tätigkeiten
bekannt zu machen, aber sie muss gleichzeitig, wenn nötig,
eine angemessene Zurückhaltung üben können, ohne
dass dies eine pünktliche und ausreichende Mitteilung über
kirchliche Tatsachen beeinträchtigen würde. Dies ist
einer der Bereiche, wo die Zusammenarbeit zwischen Laien und Hirten
besonders erforderlich ist, denn, wie das Konzil richtig hervorhebt,
„aus diesem vertrauten Umgang zwischen Laien und Hirten
kann man viel Gutes für die Kirche erwarten. In den Laien
wird so der Sinn für eigene Verantwortung gestärkt,
die Bereitwilligkeit gefördert. Die Kraft der Laien verbindet
sich leichter mit dem Werk der Hirten. Sie können mit Hilfe
der Erfahrung der Laien in geistlichen wie in weltlichen Dingen
genauer und besser urteilen. So mag die ganze Kirche, durch alle
ihre Glieder gestärkt, ihre Sendung für das Leben der
Welt wirksamer erfüllen“ [16].
V. Mit der Kraft des Heiligen Geistes kommunizieren
13. Für die Gläubigen und die Menschen guten Willens
ist die große Herausforderung in dieser unserer Zeit, eine
wahrheitsgemäße und freie Kommunikation zu unterhalten,
die dazu beiträgt, den ganzheitlichen Fortschritt der Welt
zu festigen. Alle sind dazu aufgefordert, durch eine gesunde Kritikfähigkeit
ein aufmerksames Urteilsvermögen und ständige Wachsamkeit
gegenüber der Überzeugungskraft der Kommunikationsmittel
zu entwickeln.
Auch in diesem Bereich wissen die Christgläubigen, dass
sie mit der Hilfe des Heiligen Geistes rechnen können. Diese
Hilfe ist um so nötiger, wenn man bedenkt, wie sehr Ideologien,
das Streben nach Machtgewinn, Rivalitäten und Konflikte zwischen
Einzelnen und Gruppen, menschliche Schwächen und soziale
Übel die Kommunikation erschweren können. Die modernen
Technologien erhöhen auf beeindruckende Weise die Schnelligkeit,
die Menge und die Wichtigkeit der Kommunikation, aber sie begünstigen
nicht in gleicher Weise den delikaten Austausch zwischen Geist
und Geist, Herz und Herz, der jede Kommunikation auszeichnen muss,
die der Solidarität und der Liebe dient.
In der Heilsgeschichte hat sich Christus uns als der „Kommunikator“
des Vaters vorgestellt: „In dieser Endzeit hat Gott zu uns
gesprochen durch den Sohn“ (Hebr 1,2). Er, das fleischgewordene
ewige Wort, zeigt in seinem Mitteilen immer Respekt für die
Zuhörer, lehrt das Verständnis für ihre Situation
und ihre Bedürfnisse, fordert zu Anteilnahme an ihrem Leid
auf und dazu, ihnen mit entschiedener Bestimmtheit das zu sagen,
was sie hören müssen, ohne Einschränkungen oder
Kompromisse, Betrug oder Manipulation. Jesus lehrt, dass Kommunikation
sittliches Handeln ist: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor,
weil er Gutes in sich hat, und ein böser Mensch bringt Böses
hervor, weil er Böses in sich hat. Ich sage euch: Über
jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am
Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund
deiner Worte wirst du freigesprochen und aufgrund deiner Worte
wirst du verurteilt werden“ (Mt 12, 35-37).
14. Der Apostel Paulus hat eine klare Botschaft für alle,
die an der sozialen Kommunikation beteiligt sind – Politiker,
Kommunikatoren, Mediennutzer: „Legt deshalb die Lüge
ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder
miteinander verbunden. […] Über eure Lippen komme kein
böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht,
stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt“ (Eph
4,25.29).
An alle, die in der Kommunikation tätig sind, und besonders
an die Gläubigen, die in diesem wichtigen Bereich der Gesellschaft
arbeiten, richte ich die Einladung, die ich seit dem Beginn meines
Dienstes als Hirt der universellen Kirche der ganzen Welt zugerufen
habe: „Fürchtet euch nicht!“
Fürchtet euch nicht vor den neuen Technologien! Sie sind
„unter den erstaunlichen Erfindungen der Technik“
– „inter mirifica“ –, die Gott uns zur
Verfügung gestellt hat, um die Wahrheit zu entdecken, zu
nutzen, bekannt zu machen, auch die Wahrheit über unsere
Würde und über unsere Bestimmung als seine Kinder, Erben
seines ewigen Reiches.
Fürchtet euch nicht vor dem Widerstand der Welt! Jesus hat
uns versichert: „Ich habe die Welt besiegt!“ (Joh
16,33).
Fürchtet euch auch nicht vor eurer Schwäche und eurer
fehlenden Eignung! Der göttliche Meister hat gesagt: „Ich
bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Teilt die Botschaft der Hoffnung, der Gnade und der Liebe Christi
mit, belebt in dieser vergänglichen Welt die ewige Perspektive
des Himmels, eine Perspektive, die kein Kommunikationsmittel jemals
direkt erreichen kann: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr
gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist:
das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“
(1 Kor 2,9).
Maria, die uns das Wort des Lebens geschenkt und seine unsterblichen
Worte in ihrem Herzen bewahrt hat, empfehle ich den Weg der Kirche
in der Welt von heute. Die heilige Jungfrau helfe uns, mit allen
Mitteln die Schönheit und die Freude des Lebens in Christus,
unserem Erlöser, mitzuteilen.
Aus dem Vatikan, den 24. Januar 2005, Gedenktag des hl. Franz
von Sales, Patron der Journalisten.
IOANNES PAULUS II
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ANMERKUNGEN
[1] Dekret Inter mirifica, Nr. 1.
[2] Apostolisches Schreiben Evangelii Nuntiandi (8. Dezember
1975): AAS 68 (1976), 45.
[3] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben
Christi Fideles Laici (30. Dezember 1988), 18-24: AAS 81 (1989),
421-435; vgl. Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel,
Pastorale Instruktion Aetatis novae (22. Februar 1992), 10: AAS
84 (1992), 454-455.
[4] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio (14. September
1998), 91: AAS 91 (1999), 76-77.
[5] Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel,
Pastorale Instruktion Ætatis novæ (22. Februar 1992),
4: AAS 84 (1992), 450.
[6] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben
Pastores gregis, (16. Oktober 2003), 30 : L`Osservatore Romano
(italienische Ausgabe) 17. Oktober 2003, S. 6.
[7] Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben
Vita Consecrata (25. März 1996), 99: AAS 88 (1996), 476.
[8] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (17.
Dezember 1990), 37 : AAS 83 (1991), 282-286.
[9] Vgl. Päpstliche Kommission für die sozialen Kommunikationsmittel,
Kirche und Internet (22. Februar 2002), 6, Vatikanstadt, 2002,
S. 13-15.
[10] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Inter mirifica, 15 –
16; Päpstliche Kommission für die sozialen Kommunikationsmittel,
Communio et progressio (23. Mai 1971), 107: AAS 63 (1971), 631-632;
Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel,
Pastorale Instruktion Aetatis novae, 18: AAS 84 (1992), 460.
[11] Vgl. ebd., 19: l.c.
[12] Vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2494.
[13] Vgl. Johannes Paul II, Botschaft zum 37. Welttag der sozialen
Kommunikationsmittel (24. Januar 2003): L`Osservatore Romano (italienische
Ausgabe), 25. Januar 2003, S. 6.
[14] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 37; Päpstliche
Kommission für die sozialen Kommunikationsmittel, Communio
et progressio (23. Mai 1971), 114 – 117: AAS 63 (1971),
634-635.
[15] Kan. 212, § 3: „Entsprechend ihrem Wissen, ihrer
Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung haben sie
das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem,
was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen
und sie unter Wahrung der Unversehrtheit des Glaubens und der
Sitten und der Ehrfurcht gegenüber den Hirten und unter Beachtung
des allgemeinen Nutzens und der Würde der Personen den übrigen
Gläubigen kundzutun.”; vgl. Kodex für die orientalischen
Kirchen, can. 15, § 3.
[16] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 37.
[NICHTOFFIZIELLE ÜBERSETZUNG]
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