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Päpstlicher Rat der Seelsorge für
die Migranten und Menschen unterwegs _________________________________________________________________________________
II. Internationales Treffen der Seelsorge
der Straße
Vatikanstadt, 1. und 2. Dezember 2006
„ Auf der Straße der tragbaren Mobilität“
___________________________
SCHLUSSDOKUMENT
I. Das Ereignis
Das II. Internationale Treffen der Seelsorge der Straße
fand am 1. und 2. Dezember 2006 in den Räumen des Päpstlichen
Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs,
im Palazzo San Calisto, Vatikanstadt, statt.
Es nahmen daran teil 5 Bischöfe, verschiedene National-Direktoren
oder Vertreter der Bischofskonferenzen und Experten. Sie kamen
aus 21 Ländern, nämlich: Argentinien, Australien, Belgien,
Bolivien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Chile, Deutschland,
England, Frankreich, Indien, Irland, Italien, Kroatien, Österreich,
Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische
Republik, wie auch ein Vertreter des Latein-amerikanischen Bischofsrates
(CELAM). Weiter waren Delegierte der „Akademie Bruderhilfe
’Familienfürsorge’“ und der Italienischen
National-Vereinigung der Soziologen anwesend. Der Erwähnung
würdig ist ebenfalls die Teilnahme eines Seelsorgers der
Eisenbahn-Seelsorge in Italien und der drei Vertreter der Seelsorge
der "Bewohner" der Straße (Straßenmädchen,
-kinder und Obdachlose)
, um Leben zu schützen, die Verkehrsregel Besonders ermutigend
war die Grußbotschaft des Heiligen Vaters, Benedikt XVI.,
der dieser Initiative eine ehrliche Anerkennung aussprach, „Anregung
zur Vertiefung und zum Ansporn der Pastoralaktion gerichtet an
alle, die auf der Straße arbeiten oder auf ihr leben“,
dann gab er dem Wunsch Ausdruck, „dass die kirchliche Aufmerksamkeit
immer mehr von der steten Liebe und den großzügigen
Vorhaben einer beispielhaften Bezeugung des christlichen Glaubens
genährt werde“.
Der Präsident des Päpstlichen Rates, Seine Eminenz Kardinal
Renato Raffaele Martino, begrüßte die Kongressteilnehmer
und hob hervor, „dassbeachtet werden müssen, denn das
Zuwiderhandeln hat den schweren Verlust von Menschenleben zur
Folge“. Da verschiedene Kategorien, die diesem Sektor angehören,
anwesend sind, fuhr der Kardinal fort, will dieses Treffen die
Möglichkeit anbieten, über die „seelsorgliche
Notwendigkeit dieses Gebietes mit seinen verschiedenen Ausdrucksformen
nachzudenken …..und zu versuchen, geeignete Antworten zu
geben“. In besonderer Weise wird jedenfalls „der Austausch
der verschiedenen Erfahrungen“ von Hilfe sein, um zu verstehen,
„welche Mittel am besten geeignet sind, um den Benutzern
der Straße und denen, die mit dem Transport auf ihr befasst
sind, wie auch den Bewohnern der Straße beizustehen.
Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Dikasteriums,
führte in die Arbeiten ein, indem er „das Apostolat
der Straße mit dem Zeichen der Zeit [nämlich] der menschlichen
Mobilität“ in Zusammenhang brachte. Diese zeigt zwei
große Aspekte: die Migration und das Unterwegssein. Er listete
dann die Adressaten dieser Pastoral auf, „die Fahrer und
Begleiter und diejenigen, die ihnen zu Diensten stehen“,
ohne dabei die Bewohner der Straße zu vergessen, die Straßenkinder,
-mädchen, di Clochard. Man kann die Besonderheiten der Seelsorge
der Straße und der Eisenbahn mit dem „Verhalten des
guten Samariters“, in Zusammenhang bringen, was seinen konkreten
Ausdruck findet in der „Bereitschaft zur Aufnahme und zum
Dienst, im weitesten Sinn des Wortes“. Erzbischof Marchetto
hat dann erneut die Absicht des Treffens dargestellt, nämlich
mit realer, sozialer Perspektive unseren spezifischen Einsatz
neu zu setzen“ im Kontext „der Evangelisierung und
Förderung des menschlichen Lebens“ mit einem erneuerten
Vorschlag der ethischen und christlichen Werte“.
Seine Exzellenz Msgr. Georges Gilson, Alterzbischof von Sens-Auxerre,
hat den ersten Sitzungstag, welcher der Seelsorge der Fahrer und
der Benutzer der Straße und denjenigen, die an den Stellen
der Dienstangebote arbeiten, gewidmet war, mit seinem Referat
begonnen. Er hat unter den technischen Neuerungen unserer Zeit
die Erfindung des Benzin/Diesel und des Jet-Motors als wichtiges
Element zur Beförderung von Personen und Waren hervorgehoben.
Dadurch ist „unsere Fähigkeit zu laufen, uns fortzubewegen
und zu reisen verdoppelt worden“. Es ist aber immer der
Mensch, der das Fahrzeug beherrscht, und nicht der Motor, denn
nur er, der Mensch, entscheidet einzig und allein wie schnell
er fahren will und ob er die Straßenverordnung beachten
will oder nicht. So übernimmt der Mensch die Verantwortung
für sich selbst, für sein eigenes Leben und das der
anderen und für die Umwelt. Es muss also zur „tragbaren“
Mobilität erzogen werden, um die Sicherheit auf den Straßen
und die soziale Solidarität zu gewährleisten und so
auch das Gebot des Herrn zu beachten „liebt einander, so
wie ich euch geliebt habe“.
Es folgten dann die Erfahrungsberichte aus Spanien, Brasilien
und Deutschland.
Bruder Juan Rivera, FSC, National-Direktor der Seelsorge der Straße
in Spanien hat detailliert und gründlich die Geschichte,
den aktuellen Einsatz und die Herausforderungen dieser Seelsorge
in seinem Land dargestellt. Zusammen mit der Bischofskonferenz
sind auch die einzelnen Diözesen einbezogen, die erfolgreich
mit den zivilen Institutionen, die mit der Welt des Transportes
verbunden sind, zusammenarbeiten. Man wird sich immer mehr der
Wichtigkeit bewusst, dass auch die hier im Beruf stehenden Laien
sich an dieser Seelsorge beteiligen und sie animieren. Bruder
Rivera drückte zum Schluss den Wunsch aus, dass diese Seelsorge
in allen Diözesen eine Entwicklung erfahren möge und
eine tiefere Zusammenarbeit mit den anderen Sektoren der Bischofskonferenz.
Die nationale Seelsorge der Straße habe, so Pater Marian
Litewka in dem brasilianischen Erfahrungsbericht, in der Eucharistie
ihren Ausgangs- und Mittelpunkt, doch die Anwesenheit der Kirche
drücke sich auch in den „Reisen (der Mitarbeiter in
der Seelsorge) aus, und während der Besuche der Raststätten
längs der Autobahnen“. Diese Besuche wollen auch die
Notwendigkeit hervorheben, „ein Atmosphäre der Partnerschaft
auf der Straße zu schaffen“, und „diejenigen,
die auf der Straße leben und arbeiten, richtig einzuschätzen“,
wie das Evangelium es verlangt. So wird auf einem freien Platz
innerhalb des Gebietes der Raststätten, die ja die Fahrer
und Straßenbenutzer, als ihren eigenen Raum ansehen, die
heilige Messe gefeiert. Manchmal benutzt man auch eine ‚Lastwagen-Kapelle’
und die Gottesdiensteilnehmer nehmen davor, im Freien Platz.
Msgr. Wolfgang Miehle, National-Direktor für Migration der
Deutschen Bischofskonferenz, hat sich mit der Seelsorge der Fernfahrer
befasst. Er unterstrich die Einsamkeit der Fahrer, die während
ihrer Arbeit ja alleine sind und lange Strecken zurücklegen,
und das oft für Tage und sogar Wochen. Diese Tatsache macht
es schwierig, soziale Verbindungen zu festigen, auch innerhalb
der eigenen Familie. Dazu kommen noch die harten Arbeitsbedingungen
der Fernfahrer, die fast bis zur direkten Ausbeutung gehen. So
kann man sie in der Tat als ‚arme Menschen’ bezeichnen,
für die die Kirche sich in vorzüglicher Weise einsetzen
muss. Sie sind aufgeschlossen für die Seelsorge, die sie
dort erreichen muss, wo sie sich aufhalten, auf den Parkplätzen,
im Autogrill. So sollten also die Seelsorger und die Mitarbeiter
in der Seelsorge dort zu finden sein, wo die Fernfahrer sich längs
der Straße aufhalten. Eine positive Erfahrung in diesem
Sinn ist „Kanal K“, das Telefon für Fernfahrer,
was auf Initiative der Kommission der Firmenseelsorge in Süddeutschland
entstanden ist. Mittels dieses Telefons kann sich der Fernfahrer
mit einem Priester oder einem Mitarbeiter in der Seelsorge in
Verbindung setzen. Auch werden die Kirchen längs der Autobahnen
als für die Seelsorge besonders geeignete Möglichkeiten
gesehen, wie auch zum Beispiel der ‚kirchliche Lastwagen’
in der Autogrill-Zone.
Auch die Eisenbahnlinien sind Straßen, Straßen auf
Schienen. Msgr. Oliviero Pelliccioni, Kaplan im Bahnhof Termini,
Rom, hat die Geschichte dieser Seelsorge in Italien umrissen und
die Ziele dargestellt. Als Firmenpastoral begonnen, wendet sie
sich vorwiegend an die Eisenbahner, um sie bei ihrer besonderen
Arbeit zu begleiten, dies mehr durch die Anwesenheit und die „Freundschaft“,
als mit Gerede. Der Kaplan oder der Mitarbeiter in der Seelsorge
muss ihnen „Freund und Bruder“ sein, fähig, sich
ihrer Sprache und ihren Wünsche anzupassen, ihnen mit Achtung
und Vertrauen zuzuhören, ohne zu urteilen, ihnen die eigene
Zeit schenken, eine Verbindung herstellen und konstant über
die Probleme ihres Ambiente sich auf dem Laufenden halten. „In
ehrfurchtsvoller Anerkennung der Kompetenzen der Laien“,
versammelt der Kaplan „die Gläubigen im Wort und in
der Eucharistie“.
Am zweiten Tag wurde über die "Bewohner" der Straße
gesprochen: über die Straßenkinder und –mädchen
und die Obdachlosen. Drei Frauen, Experten in diesem Gebiet, haben
mit Kraft und Hingabe ihre diesbezüglichen Erfahrungen dargelegt.
Auch sie haben die Einsamkeit der Menschen, die auf der Straße
leben bestätigt, die anders ist, vielleicht schmerzhafter,
aber mit Freude haben sie über den Kontakt mit ihren Kommunitäten
berichtet.
Frau Dr. Chiara Amirante, Vorsitzende der Assoziation ‚Neue
Horizonte’ hat in ergreifender Weise die pastorale Arbeit
vorgestellt, die ihre Vereinigung ausführt zum Wohle der
Straßenkinder und Straßenmädchen, die sich nicht
nur auf eine praktische Hilfe beschränkt, sondern ihnen beisteht,
um sie zu Dem zu führen, der sein Leben hingegeben hat, um
den Tod zu besiegen. Sie können sich so davon begeistern
lassen, dass sie selbst Apostel der Evangelisierung und der Hoffnung
auf der Straße werden.
Für die Kommunität Sant’Egidio hat Frau Dr. Francesca
Zuccari ihren Einsatz zum Wohle der Menschen ohne festen Wohnsitz
und der Straßenkinder geschildert, nach dem Beispiel des
Guten Samariters. Die Kommunität wirkt nicht nur in Italien
und Europa, sondern auch in Afrika, Lateinamerika und Asien.
Schwester Eugenia Bonetti, M.C., hat von ihrer zehnjährigen
Erfahrung in der Seelsorge für die Frauen und Minderjährigen
gesprochen, die Opfer des Menschenhandels und der Ausbeutung auf
den Straßen sind. Der Einsatz der religiösen Frauenkongregationen
in dieser Pastoral zielt darauf hin, diese Personen zu befreien
und ihnen zu helfen, sich ein neuen Leben zu schaffen. Sie gab
dem Wunsch Ausdruck, dass auch die Männerkongregationen sich
in gleicher Weise um die Rettung der Opfer bemühen sollten
und um die Umerziehung der „Sex-Konsumenten“.
Zum Schluss hat der Salesianer-Pater Christopher Riley kurz von
seiner reichen Erfahrung in der Rettung der Straßenkinder
in Australien gesprochen und alle aufgerufen, Mut und Ausdauer
zu bewahren, nicht aufzugeben in diesem pastoralen Einsatz.
Der Austausch wurde dann noch fortgesetzt und vertieft in den
Arbeitsgruppen, in denen die Themen verfolgt wurden: „Straße
und Eisenbahn“ und „Bewohner der Straße“.
II. Schlussfolgerungen
Im Geheimnis der Heilsgeschichte, erreicht Gott den Menschen in
seinem Unterwegssein, in seiner Suche des Absoluten, indem er
sich ihm auf seinem Weg mitteilt und ihn zur Liebesgemeinschaft
mit sich beruft, dem Ursprung und der Erfüllung alles Guten.
Gott hat sich als Befreier eines geknechteten Volkes gezeigt,
das Freiheit, Licht, Wahrheit und Ordnung brauchte, um den Sinn
seines Lebens und die Antwort auf sein Umherirren zu finden. In
der Geschichte des Exodus kann man die Gegenüberstellung
des Paradigmas der Bereitschaft Gottes und die Antwort des Menschen
erkennen, der das Land des Exils verlässt, um zurückzukehren
in das Land seiner Väter, das Gelobte Land, wo es von der
Offenbarung Jahves hingezogen wird.
Hier ist in sinnbildlicher Weise die Existenz des Menschen umrissen,
der hingestellt ist zwischen den Wunsch nach wahrer Freiheit und
der eigenen Widersprüchlichkeit und Unfähigkeit diese
zu erreichen. Gott schenkt ihm seinen Bund als Zeichen des Friedens,
der Sicherheit und der Glückseligkeit, und bestätigt
dem Menschen die Möglichkeit, aus der Sklaverei der Dinge,
aus einer entfremdenden Gesellschaft, aus der Last der absoluten
Autonomie herauszukommen, um sich bewusst dem beruhigenden Wohlwollen
Gottes anzuvertrauen, in der Neuheit, seine „Kinder“
zu sein.
Die Kirche verfolgt dem Willen Gottes in Christus gemäß
den Weg des Menschen mit Interesse und Fürsorge. Dort wo
der Mensch ist mit seinen Freuden und seinen Schmerzen, da ist
die Kirche mit ihrer Seelsorge präsent. Die Aufmerksamkeit
der Kirche für die Mobilität erschöpft sich aber
nicht in einer allgemeinen Anwesenheit, sondern sie offenbart
sich in der Verkündigung des Evangeliums durch das Zeugnis,
das Wort, die pastorale Aktion in den Orten und Ambienten, wo
die Männer und Frauen unserer Zeit besondere Formen des Daseins
leben, die entstanden sind durch die Verantwortung für ihre
Arbeit oder in dem Versuch zu überleben.
So wird die „Straße“ Merkzeichen des Lebens
und definiert eine Art Mann und Frau zu sein in einer Gesellschaft,
die hineingeschleudert ist in die Schnelligkeit und den Wechsel,
in den Wettstreit und den Konsum, wo diejenigen ausgeschaltet
werden, die nicht mitlaufen, nicht konkurrieren und nicht verbrauchen,
die ausgenutzt werden oder die auf der Straße wohnen. So
verwirklicht der Mensch sein Sein als ‚Wanderer’,
der von weither kommt und weit weggeht, auch auf der Straße.
Mit den Transportmitteln ändert sich das, und die Strassen
werden von dem benutzt, der es riskiert vom Wanderer zum ‚Mobil’
zu werden, zum ‚Auto-mobil’, was sich fälschlich
autonom steuert.
Hier läuft der Mensch, der seine Arbeit in langen Fahrten
auf der Autobahn ausführt (wie zum Beispiel die Fernfahrer)
Gefahr, sich besonders einsam zu fühlen, denn er ist weit
weg von seiner Familie und seiner Würde als Person. Deshalb
praktiziert die Kirche, Mutter und Erzieherin, in den Diözesen,
mit den diözesanen Gruppen und Delegierten der Pfarreien
und zusammen mit den verschiedenen Vereinigungen, Bewegungen und
der kirchlichen Gemeinde eine Seelsorge der Begegnung, um Christus
präsent zu machen an den Arbeits- und Erholungsorten. So
will sie die spezifische Pastoral mit der ordentlichen, territorialen
verbinden und dadurch eine tiefe Gemeinschaft bekunden.
Unser Herr Jesus Christus begleitet den Menschen in seinem alltäglichen
Leben, auch dank der Anwesenheit der Kirche in den Gemeinden,
den Schulen, den Flughäfen, den Bahnhöfen und auf den
Straßen. Sie tut es mit einer Seelsorge der Begegnung, der
Aufnahme, dort, wo die Männer und Frauen ihre Alltäglichkeit
leben oder wo sie innehalten, um dann die Arbeit oder den Weg
wieder aufzunehmen. Fundament ihrer Seelsorge ist das Bewusstsein,
dass alles, was man den Kleinsten tut, Christus selbst tut. Die
Kirche anerkennt die Würde und die Rechte der Bewohner der
Straße – die Straßenkinder, -mädchen und
die Obdachlosen - , denn auch sie sind nach dem Abbild Gottes
geschaffen. So wird die vorrangige Option für die Armen neu
bestätigt, damit sie geachtet und mit einem erneuerten Sinn
der Verantwortung leben können.
Bedenkt man auch die Volksfrömmigkeit mit Blick auf „den
umherziehenden Jesus“ und die pilgernde Kirche, so kann
man feststellen, wie viel Verehrung den Heiligen entgegengebracht
wird, die irgendwie mit der Straße verbunden sind, und an
die man sich um Beistand und Schutz wendet. Die Kapellen und die
Wallfahrtsorte, die sich längs der Straßen und der
Autobahnen befinden, sowie die mobilen Kapellen auf den Rast/Parkplätzen
sind wichtige religiöse und menschliche Anhaltspunkte, dazu
bestimmt die modernen Pilger aufzunehmen.
Der Glaube, selbst in seiner Volksfrömmigkeit, erhebt den
Menschen von seiner Alltäglichkeit und Hinfälligkeit
zur Schönheit des Göttlichen, was sich in einer einfachen
doch eindringlichen Art der Verehrung ausdrückt. Die Heiligen,
die das Volkes durch seine Verehrung zu seinen Freunden und Brüdern
auf seinem Weg erwählt hat, stehen auf den Straßen
des Menschen unterwegs und führen ihn zu einem guten Ende,
zum Ziel.
Der Mensch „unterwegs“, der sich in rechter Autonomie
einen Weg der Freiheit vorzeichnet, und eine realen Verantwortung
sich selbst und den andern gegenüber ausübt, ist darauf
bedacht die Herausforderungen unserer Zeit zu meiden, die dahingehen
eine Kultur der Ausschreitungen zu fördern, Wiege eines ungezügelten
und schädlichen Egoismus ist.
Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Adressaten zeigt sich die
Seelsorge der Straße als sehr komplex, deshalb kann keiner
sie auf eigene Initiative ausführen. Aus diesem Grunde hat
die Kirche auch eine „schützende“ Rolle, insbesondere
in der Verteidigung des Lebens und der Menschenwürde. Sie
ist Gemeinschaft, die sich durch ihre Charismen und Ämter
ausdrückt und ihre Mitglieder sind aufgerufen zur Seelsorgearbeit,
damit durch sie Gott jetzt und immer eingreifen kann in die Geschichte
der Menschheit in Jesus Christus durch den Heiligen Geist. Der
Herr der Geschichte ist Retter in der Geschichte.
III. Empfehlungen
Rückblickend auf die oben dargelegten Gründe wird
empfohlen,
• zum Wohle der Autofahrer und der im Straßen- und
Bahntransportes Tätigen:
- eine pastorale Aufmerksamkeit vertiefen zum Zwecke einer sicheren
und tragbaren Mobilität, welche das Leben, den Menschen und
seine Würde wie auch seine Rechte und sein Schicksal achtet;
- eine Erfahrung miteinander teilen und den Dialog zwischen all
denen fördern, die in der Mobilität agieren;
- die Kontakte durch die sozialen Kommunikationsmittel intensivieren,
um so zu einer aufmerksameren Analyse der täglichen Mitteilungen
einzuladen und Verbündete zu werden in der Erziehung, auch
in der Straßenerziehung;
- die Rechte auf sichere Arbeitsbedingungen des Berufspersonals
und aller auf der Straße Arbeitenden vertreten;
- Orte und Gelegenheiten schaffen, um sich mit den Menschen zu
treffen, die von Berufs wegen auf der Straße arbeiten, denn
sie erfahren deutlicher das Alleinsein und die Trennung von ihren
Familien als die anderen, die aus persönlichen oder familiären
Gründen das Auto benutzen;
- diese Begegnungen mit ihnen an den Orten planen, die von den
Interessenten als ihre 'eigenen’ angesehen werden, wie zum
Beispiel die großen Rastplätze und die Autogrill-Stationen;
- diese Begegnungen zu Momenten machen, in denen man intensiver
und spiritueller lebt und die auch ein Wachsen im Glauben ermöglichen;
- zu denen auf der Straße und der Eisenbahn Arbeitenden
auch die zählen, die in den Strukturen arbeiten, welche den
Reisenden und ihren Transportmitteln Dienste aller Art anbieten;
* Auch sollten die Schlussfolgerungen und Empfehlungen des 1°
Internationalen Kongressesder Seelsorge der Straßenkinder
( Rom, 25. und 26. Oktober 2004) und das 1° Internationale
Treffen der Seelsorger zur Befreiung der Straßenmädchen
(Rom, 20. und 21. Juni2005)(www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/migrants/documents_1/rc_pc_migrants_doc_20210605_Iinc-past-don-strada-findoc_ge.html)
vor Augen gehalten werden, was die Bewohner der Straße betrifft,
wird empfohlen:
- die Situation der Straßenkinder, der Straßenmädchen
und der Obdachlosen als eine äußerst verwundbare zu
betrachten;
- ihrem unausgesprochenen Bedürfnis nach Rettung und Sicherheit
entgegen zu kommen und zu ihnen hingehen, dort wo sie sich befinden,
auf der Straße, und sie nicht einfach in den Sozialzentren
erwarten;
- diese Zentren sollten so gestaltet sein, dass sie wirklich Orte
der Aufnahme, der Solidarität mit familiäre Atmosphäre
sind, wo sie nicht nur eine Antwort auf ihre materiellen, sondern
auch auf ihre spirituellen Bedürfnisse finden können;
- ihnen zu helfen, die persönliche Würde und eine gewisse
Selbstachtung wieder zu finden;
- sie zu lieben, zu achten, ihnen nahe zu sein und sie beim Namen
zu nennen, um ihnen so ein menschenwürdigeres Leben zurück
zu geben;
- so werden sie dann lernen sich selbst wieder zu lieben und den
andern zu helfen;
- denen eine Familie zu geben, die keine mehr haben, oder die
nie eine gehabt haben, besonders die Straßenkinder;
- ihnen zu helfen sich in der Gesellschaft zu integrieren;
- sie nicht dazu zwingen, festgesetzten Programmen zu folgen,
sondern das anzubieten, was ihren Bedürfnissen entspricht;
- für die Jugendlichen in Gefahr Aktivitäten zu organisieren
und zweckmäßige Vereinigungen zu gründen, damit
die Straße ihre Anziehungskraft verliert, die sie trotz
allem für sie haben kann;
- sich in den Orten der Herkunft der Kinder und Mädchen einzusetzen,
um so hauptsächlich die Gründe ihrer unglücklichen
Situation zu bekämpfen;
- eine Seelsorge der Präsenz, der Aufnahme, der Begleitung
zu schaffen und auf die auftretenden Notwendigkeiten konkrete
Antworten zu geben;
- eine Integration zwischen spezifischer und territorialer Pastoral
zu suchen;
- in Verbindung mit anderen kirchlichen und nicht kirchlichen,
mit Regierungs- und nicht Regierungs-Organisationen einen Dialog
und eine Zusammenarbeit zu suchen und dies auch mit den staatlichen
Stellen (Ministerien, Parlament, Polizei, Strafanstalten, usw.),
um die Situation nicht nur vorübergehend, sondern dauernd
zu ändern;
- sich einzusetzen für die schulische Bildung und die auf
die wahren Werte bedachte Erziehung;
- geeignete Mitarbeiter in der Pastoral zu suchen und sie in angepasster
Weise auszubilden;
- mit anderen Pastoralarbeitern Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen;
- die Bischöfe und die Diözesen, die katholischen Vereinigungen
und Bewegungen für diese Art der spezifischen Pastoral aufmerksam
zu machen;
- mit der gebührenden Umsicht die Strukturen der Pfarreien
– falls sie verfügbar sind für den materiellen
und spirituellen Beistand der Straßenkinder, -mädchen
und der Obdachlosen zu nutzen;
- die kulturellen und andere Unterschiede in dem Umfeld zu erkennen,
in dem man in den verschiedenen Teilen der Welt arbeitet;
- auf das Phänomen der Obdachlosen aufmerksam zu machen und
über die angewandten Aktionen informieren, um Lösungen
für die daraus entstehenden Probleme anzubieten;
- die Sensibilisierungsarbeit bei der Gesellschaft und den öffentlichen
Strukturen fortzusetzen, denen es ja im Grunde zukommt, hier einzuschreiben;
- einen Wechsel der Mentalität gegenüber diesen neuen
Formen der Armut, der Ausbeutung und der Sklaverei anzustreben
und sich dafür einzusetzen, den Wert und die Würde der
menschlichen Person neu zu entdecken, ungeachtet seiner individuellen
oder zeitweiligen Lebenssituation;
- zu überlegen wäre die Schaffung einer eigenen Web-Seite,
um Informationen und Erfahrungsaustausch in diesem so wichtigen
Gebiet der menschlichen und pastoralen Aufmerksamkeit zu erleichtern.
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